Stellenausschreibungen zielen darauf ab, mit dem Inserat möglichst genau jene Person anzusprechen, die für diese Position die entsprechenden Fähigkeiten, Interessen, Einstellungen mitbringt. Eine Gratwanderung zwischen: will man möglichst viele und diverse Bewerber/-innen oder möchte man lieber weniger Bewerber ansprechen, aber die fühlen sich vom Inserat perfekt angesprochen. Wissenschaftlerinnen am Arbeitsbereich Human Resource Management and Employment Relations der Universität Innsbruck haben gemeinsam mit der Arbeiterkammer Wien den Job Ad Decoder JADE entwickelt.
Das digitale Tool soll die Anzahl und damit auch die Diversität an Bewerber*innen erhöhen, die sich sonst von bestimmten stereotypen Sprachformulierungen in Stelleninseraten, die je nach Geschlecht oder Alter als unterschiedlich attraktiv empfunden werden, von einer Bewerbung abhalten lassen. Stereotype Sprachformulierungen verringern den Pool an Bewerber*innen für Unternehmen und mindern auch die Chancengleichheit für Gruppen wie Berufseinsteiger*innen, Frauen oder ältere Arbeitsuchende.
Der Bewerber/-innen-Code
Aus wissenschaftlichen Studien ist bekannt, dass Inserate für leitende Positionen oder aus Branchen mit überdurchschnittlicher Vergütung besonders viele Sprachcodes enthalten, die eher männliche und jüngere Bewerber ansprechen. Dazu zählen etwa Worte wie „durchsetzungsfähig“ oder „dynamisch“. Diese Sprachcodes können auf potenzielle Bewerberinnen abschreckend wirken, wodurch die Anzahl der Bewerbungen von Frauen sinkt. Doch daraus ergibt sich laut Julia Brandl, Professorin für Personalpolitik, ein Nachteil für Unternehmen: „Es gibt bereits viele Studien, die belegen, dass eine höhere Vielfalt in der Belegschaft und eine diversitätsfreundliche Unternehmenskultur Betrieben langfristig einen Vorteil bringen.“
Stelleninserate optimieren
Vor zwei Jahren haben die Wissenschaftlerinnen damit begonnen, den Job Ad Decoder JADE zu entwickeln. Unterstützt wurden sie dabei durch den Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0 der Arbeiterkammer Wien. Ziel des digitalen Tools ist es, Stelleninserate so zu formulieren, dass Frauen, Männer, Berufseinsteiger*innen oder ältere Menschen gleichermaßen zu einer Bewerbung motiviert werden. „Nachdem Nutzer*innen sich registriert haben, können die Textbausteine eines Inserats, wie der Jobtitel, die Arbeitgeber- und Tätigkeitsbeschreibung sowie das Anforderungsprofil und das Angebot des Unternehmens in JADE eingegeben werden. Das digitale Tool zeigt dann kritische Wörter an, die einem diversen Bewerber*innen-Pool im Wege stehen können und bietet gleichzeitig Alternativen an. Die Beschreibung ,Global Player‘ spricht beispielsweise vor allem junge Männer an. Ersetzt man sie durch ,weltweit tätig‘, adressiert man eine breitere Gruppe an Bewerber*innen“, beschreibt Petra Eggenhofer-Rehart, Projektmitarbeiterin und Forschungspartnerin am Arbeitsbereich, die Funktionsweise von JADE. Die Grundlage für die Bewertung der Sprachcodes bietet eine repräsentative Befragung von über 700 in Österreich lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter. Sie wurden zur Attraktivität der am häufigsten in Stelleninseraten verwendeten Begriffe befragt. Auf dieser Basis haben die Wissenschaftlerinnen ein Wörterbuch für JADE erstellt.
Mehr Chancengleichheit und Diversität
„In einer Pilotphase von April bis Oktober 2021 hatten der AMS Tirol, die ÖBB, Plansee, die Innsbrucker Verkehrsbetriebe und STIHL Österreich JADE bereits in Verwendung und haben das Tool sowie die Begleitung durch die Universität Innsbruck sehr positiv bewertet“, sagt Julia Brandl. „Ab sofort bieten wir JADE allen Interessierten an und möchten damit langfristig zu mehr Chancengleichheit und Diversität in der Arbeitswelt beitragen“, so die Professorin weiter.
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Foto: Das Team um JADE besteht aus vier Wissenschaftlerinnen: Professorin Julia Brandl (links), die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Petra Eggenhofer-Rehart (Mitte), Martina Kohlberger (rechts) und Katharina Pernkopf (nicht im Bild).
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(GZ)
Quelle: Universität Innsbruck
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