life-science Karriere Services, Foto: © Polina Tankilevitch_pexelsDie körpereigene Insulinproduktion bei Typ-1-Diabetes durch neue Therapieformen zu verbessern lautete das Ziel des internationalen Forscher*Innen-Teams unter der Leitung der Med Uni Graz. Hierfür untersuchten sie, wie die körpereigene Insulinproduktion „gerettet“ werden könnte und vergleichen verschiedene Monotherapien mit einer Kombinationstherapie.
Es stellte sich heraus, dass die einjährige Kombinationstherapie zu einer deutlichen Verbesserung der körpereigenen Insulinproduktion führt.

Rettung für Insulin produzierende Beta-Zellen

Typ-1-Diabetes ist durch einen fortschreitenden Verlust von Insulin produzierenden Beta-Zellen gekennzeichnet. Beta-Zellen sind jene Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das blutzuckersenkende Hormon Insulin herstellen und ins Blut ausschütten. Gemeinsam mit den Alpha-Zellen, die das blutzuckererhöhende Glukagon erzeugen, halten sie den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht.

„Beim Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die Beta-Zellen, wodurch Betroffene auf eine lebenslange Insulintherapie angewiesen sind.“ – Thomas Pieber (Med Uni Graz)

In der bisher größten in diesem Bereich durchgeführten Studie hat sich eine hochkarätige internationale Studiengruppe mit folgender Frage beschäftigt: Wie kann die körpereigene Insulinproduktion bei Typ-1-Diabetes erhalten bleiben?

Kombinationstherapie zur Sicherung der Insulinproduktion

In der von der Med Uni Graz geleiteten 4-armige Studie waren Patient*Innen beteiligt, bei denen Typ-1-Diabetes erstmals diagnostiziert wurde.

„Wir haben zwei verschiedene Monotherapien und eine Kombinationstherapie zur ‚Rettung‘ der Insulinproduktion mit Placebo verglichen. Die einjährige Kombinationstherapie hat im Vergleich zur jeweiligen Monotherapie und zu Placebo zu einer deutlichen Verbesserung der Insulinproduktion geführt“, fasst Thomas Pieber zusammen.

Diese randomisierte, Placebo-kontrollierte, doppelblinde 4-armige Studie wurde in 94 Zentren (Universitätskliniken und medizinische Zentren) in 17 Ländern durchgeführt. 308 neu diagnostizierte Patient*Innen mit Typ-1-Diabetes wurden entweder mit

  • der Kombination von Anti-IL-21 Antikörpern und Liraglutide,
  • oder mit Anti-IL-21 Antikörpern alleine,
  • mit Liraglutide alleine,
  • oder mit Placebo zusätzlich zur Insulintherapie behandelt.

Obwohl die Gruppe mit Placebo mehr Insulin verwendete, war das HbA1c als Maß für die Stoffwechselkontrolle in allen aktiv behandelten Gruppen niedriger. Es traten keine relevanten Nebenwirkungen auf, außer die typischen Magen-Darm-Beschwerden, die für Liraglutide bereits bekannt sind. Darüber hinaus ist die wichtigste Erkenntnis der Studie, dass die milde Beeinflussung des Immunsystems mit Anti-IL-21 Antikörpern in Kombination mit Liraglutide die gleiche Wirksamkeit wie andere Immuninterventionen hat, jedoch deutlich geringere Nebenwirkungen verursacht.

„Diese neue Kombinationstherapie stellt so einen entscheidenden Schritt zur Rettung der körpereigenen Insulinproduktion und damit einen Schritt in Richtung Heilung des Typ-1-Diabetes dar.“ – Thomas Pieber

Neu diagnostizierte Typ-1-Diabetiker*Innen für neue Interventionsstudie gesucht

Kürzlich ist an der Med Uni Graz eine weitere große Interventionsstudie (Ver-A-T1D) im Rahmen des EU-Projektes INNODIA und INNODIA-Harvest angelaufen. In dieser neuen Studie wird unter der Leitung der Med Uni Graz in 22 Zentren in Europa eine weitere innovative Therapie für neu manifestierte Diabetiker*Innen getestet. Österreichweit können neu manifestierte Diabetiker*Innen an der Med Uni Graz an dieser Untersuchung teilnehmen.

Aufruf zur Studienteilnahme: „Je mehr Betroffene eine Chance zur Behandlung bekommen, desto besser für die Patient*Innen und für die Weiterentwicklung der Therapiemöglichkeiten.“ – Thomas Pieber

 

Publikation im international renommierten Journal „The Lancet“:

Anti-interleukin-21 antibody and liraglutide for the preservation of β-cell function in adults with recent-onset type 1 diabetes: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2 trial

 

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Thomas Pieber, Professor für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie an der Med Uni Graz.

Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Pieber
Medizinische Universität Graz
Universitätsklinik für Innere Medizin
Klinische Abteilung Endokrinologie und Diabetologie
E-mail: thomas.pieber@medunigraz.at

 

(LB)
Quelle: Medizinische Universität Graz
Foto 1: © Polina Tankilevitch / pexels.com
Foto 2: © Copyright Med Uni Graz