Zu Ostern landen Millionen Eier auf dem Tisch – doch wie gesund sind die Hennen, die sie legen? Forschende der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchen im Projekt „Gesundes Brustbein” Brustbeinschäden bei Legehennen und rücken dabei das Zweinutzungshuhn als eine nachhaltigere Alternative, die Tierwohl und Legeleistung verbindet, in den Fokus.
Harte gegen weiche Schale
„Zu Ostern gehört das Eierpecken einfach dazu. Doch heuer verliere ich dabei gern – weil mein Ei von einem Zweinutzungshuhn stammt“, sagt Patrick Birkl vom Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften der Vetmeduni. „Diese Eier haben oft eine etwas weichere Schale und sind auch etwas kleiner als jene von spezialisierten Legehybriden. Beim “traditionellen Kräftemessen” ziehen sie daher öfter den Kürzeren. Für mich ist das aber kein Nachteil, sondern ein bewusstes Zeichen für einen anderen Weg in der Geflügelzucht“.
Konzept Zweinutzungshuhn
Zweinutzungshühner verbinden Legeleistung und Fleischansatz in ausgewogener Form und vermeiden viele Probleme der einseitigen Hochleistungszucht. Sie sind robuster, langlebiger und besser an extensive Haltungssysteme – insbesondere in der Bio-Produktion – angepasst. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber spezialisierten Legehybriden: Männliche Küken müssen nicht mehr getötet werden, sondern können sinnvoll gemästet werden.
Brustbeinschäden als multifaktorielles Problem
Im Projekt „Gesundes Brustbein” werden aktuell rund 100 österreichische Legehennenbetriebe mit Röntgengeräten untersucht. Die Literatur zeigt, dass Legehybriden – unabhängig von der Haltungsform – eine hohe Prävalenz von Brustbeinfrakturen aufweisen; erste Ergebnisse bestätigen diesen Trend auch für österreichische Betriebe. Die Ursache liegt unter anderem im Kalziumstoffwechsel: Die für die Schalenbildung benötigten Kalziummengen beanspruchen den Knochen stark und können langfristig zu Osteoporose und erhöhtem Frakturrisiko führen.
„Die Legeleistung ist nicht der einzige Faktor”, betont Birkl. „Auch Alter, Haltungssystem, Fütterung, Genetik und Stress in der Herde spielen eine Rolle. Deshalb sprechen wir von einem multifaktoriellen Problem.”
Vielfalt in der Zweinutzung
Für die Zweinutzung eignen sich besonders Rassen wie White Rock, New Hampshire, Sussex, Amrock, Australorps und Bresse Gauloise. Darüber hinaus gibt es Gebrauchskreuzungen mit klingenden Namen wie Coffee, Cream oder Chili, die die besten Eigenschaften ihrer Elternlinien vereinen. In Deutschland hat sich dieses Konzept – vor allem im Bio-Bereich – bereits etabliert. In Österreich sind solche Rassen bislang kaum verbreitet; künftig sollen hier Praxistauglichkeit und Tierwohl-Aspekte dieser alternativen Rassen gezielt untersucht werden.
Fazit
Zweinutzungshühner bieten einen vielversprechenden Weg zu einer nachhaltigeren und tiergerechteren Geflügelwirtschaft. Wer beim Eierkauf bewusst auf Produkte von Zweinutzungshühnern setzt, trägt dazu bei, unnötiges Tierleid zu vermeiden und eine ganzheitlichere Landwirtschaft zu fördern. Das Projekt „Gesundes Brustbein” liefert die wissenschaftliche Grundlage, um diesen Weg auch in Österreich breiter zu ebnen.
Ansprechpartner:
Patrick Birkl PhD.
Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
Patrick.Birkl@vetmeduni.ac.at
GZ
Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
Foto: (c) Eva Wolf / Ökologische Tierzucht gGmbH





